9./10.12.19

Ein Mitbewohner ist ausgezogen, Hals über Kopf, niemand wusste Bescheid. Erst war ich schockiert, betroffen, ich konnte verstehen, wie sehr enttäuscht der Vermieter war, hatte er doch am Morgen noch mit ihm gesprochen und gesagt: bis später!, nun muss schnell jemand neues gefunden werden. Vielleicht kann ich ja in sein Zimmer ziehen, wenn der jetzt weg ist, dachte ich kurz.

Als ich heute allein war, ging ich ins leere Zimmer, ehrlich gesagt, um zu sehen, ob er irgendetwas brauchbares da gelassen haben könnte, was mir gefällt. Ich freute mich, dass er den Ventilator nicht mitgenommen hatte, den hat er erst letzte Woche gekauft. Nicht, dass ich einen brauchen würde in meinem Zimmer, ich hab so etwas ähnliches.

Jedenfalls nehme ich mir eine Skulptur, die da herumsteht und stelle sie in mein Zimmer. Bin froh, dass niemand anderes da ist und mich dabei sieht.

Dann durchforste ich seinen Schrank in der Küche und sehe: Geil, Sesammus. Ih, Eier. Geil, Lemon curd. Was ist da drin? Ih, Milchpulver, Eier.

,und denke daran, wie ich am Anfang, als ich eingezogen bin, immer das Öl von anderen benutzt habe, erst nach ein paar Tagen bemerkt, dass hier nicht geteilt wird, sondern jeder sein eigenes Öl kauft, das war mir unangenehm, denn ich wollte auf keinen Fall als Schmarotzerin gelten, woraufhin ich einen 5 Liter Kanister Olivenöl kaufte, von dem alle wissen, wie teuer er ist, weil wir alle im selben Laden einkaufen, und verkündete am folgenden WG-Abend: Leute, findet ihr das nicht auch bescheuert, dass wir Öl, Salz, etc separat haben, wenn wir es alle täglich benutzen? Und alle so: schon. Und ich so, guckt, das können wir alle benutzen!

Wobei ich unter anderem davon ablenken wollte, dass ich in den letzten Tagen immer das Öl von irgendwem anders genommen hatte.

Mit diesem Schuldgefühl im Nacken wagte ich nicht, vorzuschlagen, dass mir alle ein paar Dollar dazu geben könnten, und bereute am nächsten Tag meine geheuchelte Großzügigkeit, hoffte, dass der Rest der WG doch lieber ihr eigenes Öl benutzten. Beim bemerken dieser Reue und des Ärgers darüber beschloss ich, diesen Vorfall schnell zu verdrängen.

Weil es schwierig ist, aus dem Kanister zu gießen, habe ich einen kleinen Lappen in den Griff geklemmt.

Täglich schaue ich ohne nachzudenken nach, ob der Lappen noch so geklemmt ist, wie ich ihn hinterlassen habe oder ob jemand das Öl benutzt hat. Und so entspannt, wie ich den Anschein erwecke, wünschte ich, zu sein! Könnte man durchaus in die Kategorie ,,sich dafür schämen“ packen. Wie unangenehm, ich will mich ja nicht schämen! Vor allem überhaupt über dieses Verhalten nachdenken, darüber nachdenken und es nicht wollen, das schämen, und es aber sogar aufschreiben! Aah!

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